Es sind schon Familien an den Strapazen der langen Anreise zerbrochen. Von Hamburg nach Südfrankreich, 1500 Kilometer am Stück, kein Problem? Mit dem Auto entspräche das bei normalem Verkehr ca. 15 Stunden reiner Fahrtzeit. 15 Stunden eingesperrt in einem brummenden Metallkäfig. Teilt man die Anreise auf mehrere Etappen auf, gewinnt man zwar die Entzerrung der Autofahrt, bezahlt dafür aber mit verkürzter Urlaubszeit im eigentlichen Urlaubsort.
Gerade mit Kindern ist es wichtig, auf den Stress, den solch eine lange Autofahrt in der Regel mit sich bringt, vorbereitet zu sein. Überlegt man sich vorher, wie man die lange Fahrt erträglicher oder im besten Fall sogar zu einem kleinen Abenteuer machen kann, fährt man besser und sicherer. So beginnt idealerweise der Urlaub bereits beim Starten des Motors – sowohl für die Fahrer als auch für die Beifahrer und Kinder.
Als Anregung hier ein paar Tipps, wie sich eine vermeintliche Strapaze in ein Abenteuer für Groß und Klein verwandeln lässt:
- Kommunikation: Das A und O auf jeder Reise. Bei einem Gespräch vergeht die Zeit gefühlt viel schneller. Man kann die ausreichend vorhandene Zeit nutzen, um ausführlich über Themen zu reden, die sonst eher zu kurz kommen. Doch Vorsicht: Bei einem Streit vergeht die Zeit zwar auch schneller, dafür zerstört er die erstrebenswerte Urlaubsidylle!
- Lesen: Man kann nicht ohne Unterbrechung reden. Alle Mitfahrer sollten interessante Lektüre dabei haben. Es sollte allerdings auch Rücksicht auf den Fahrer genommen werden, der sich schnell langweilt, wenn der Rest der Familie in Büchern und Zeitschriften versunken ist.
- Hörspiele/Radio/Musik: Eine gute und entspannende Alternative zum Lesen, bei der auch der Fahrer profitiert. Das einfache Radio oder die mitgenommene Musik werten jede Autofahrt auf. Da auf langen Fahrten genug Zeit vorhanden ist, eignen sich hier auch Hörspiele oder ganze Hörbücher hervorragend zum Zeitvertreib. Es sollte aber darauf geachtet werden, dass alle Familienmitglieder damit etwas anfangen können. Viele Eltern, die heute evtl. schon Großeltern sind, haben wohl immer noch ein Benjamin-Blümchen-Trauma!
- Singen: Wahrscheinlich nicht jedermanns Sache, aber es gibt kaum Aktivitäten, bei denen die Zeit im Auto schneller vergeht. Wer keine Lieder auswendig kann, singt einfach bei Liedern aus dem Radio mit. Je geringer das Gesangstalent, desto größer der Spaß!
- Elektronische Helfer: Ohne Gameboy, PSP, Smartphone geht es ab einem bestimmten Alter meist nicht mehr. Kinder (und immer mehr Erwachsene) lieben die kleinen Geräte. Sie können helfen, schier endlose Stunden zu überbrücken. Auch hier ist aber wieder Vorsicht geboten. Versinkt die gesamte Familie hinter ihren Touchscreens, droht der Fahrer in eine, durch Vereinsamung induzierte Katatonie zu fallen! Das wäre für alle Beteiligten schlecht.
- Das Besondere: Eine der klügsten Strategien die Eltern überhaupt anwenden können! Die Autofahrt als Beginn des Urlaubs wird zu etwas Besonderem gemacht: Süßigkeiten, neue Comics oder sonstige Dinge, die für Ihre Kinder etwas Besonderes darstellen, können helfen. Über Jahre können Rituale erschaffen werden, die schon vor Reisebeginn, den Modus des Reise-Abenteuers einläuten. Dafür muss man eigentlich gar nicht viel tun, denn für die meisten Kinder (wie auch für die Erwachsenen) ist es sowieso jedes Mal ein kleines Abenteuer vom trauten Heim in die unbekannte Ferne aufzubrechen. Man muss diese Stimmung nur zu nutzen wissen.
- Spiele: Wer kennt sie nicht: Die guten alten Spiele à la „Ich sehe was, was du nicht siehst“ und „anhand der Autokennzeichen den Herkunftsort erraten“. Die Möglichkeiten sind hier unbegrenzt, obwohl die Autobahnkulisse eigentlich nicht viel Abwechslung bietet. Lustige Kennzeichen suchen und vorlesen, bei jedem Auto einer bestimmten Farbe etwas Bestimmtes sagen oder (wenn man im Ausland ist) der Versuch, Straßenschilder zu übersetzen – wer hier kreativ ist, will gar nicht mehr ankommen.
- Bequemlichkeit steigern: Jeder Mitfahrer sollte es so bequem wie möglich haben. Kissen und Decken können hier weiterhelfen. Die Kleidung ist auch wichtig: Sie sollte funktionell sein und nicht zu eng. Ausreichende Beinfreiheit ist natürlich schwer herzustellen, wenn das Auto klein ist, aber auch in diesem Fall kann man darauf achten nicht die Hälfte des Gepäcks im Fußraum unterbringen zu müssen.
- Pausen mit Bewegung: Da Autos selten darauf ausgelegt sind, sich frei in ihnen bewegen zu können und das auch wegen der Sicherheit gar nicht erlaubt ist, müssen genug Pausen eingelegt werden. Nicht nur Fahrer oder Fahrerin brauchen ab und zu ein wenig Entspannung, auch Mitfahrer und besonders Kinder benötigen zumindest alle paar Stunden ein wenig Ausgang aus dem Metallkäfig. Optimal ist es natürlich, sich in der Pause ein wenig zu bewegen.
- Nachts fahren: Die Mutter aller Lange-Autofahrt-Tipps! Wer nachts fährt, genießt große Vorteile: Freie Straßen, schlafende Kinder und wenig Zeitverlust – am nächsten Morgen ist man schon da. Die Fahrer müssen allerdings ihren Schlaf opfern und sind dann am ersten Urlaubstag dementsprechend müde.
